WO IST KYRA? START: 27.6. 2019

Kyra, eine Frau über 50 (Michelle Pfeiffer) ist nach ihrer Scheidung zu ihrer krankenn Mutter nach Brooklyn gezogen. Hingebungsvoll kümmert sie sich um die alte Frau. Offensichtlich lebt sie ein halbes Leben dort, denn die Tapeten sind vergilbt und die Einrichtungsgegenstände sind auch schon sehr alt. Geduldig wartet die alte Frau (Suzanne Sheperd), deren Gesicht von Falten zerfurcht ist auf ihr abendliches Bad. Die Wohnung ist in spärliches Licht getaucht. Richtig hell wird es in diesem Film nicht. Nach dem Tod der Mutter, muss sich Kyra dringend eine Arbeit suchen. Auch auf den Strassen ist sie ein Schatten ihrer selbst. Alles um sie herum wirkt grau und düster. Ein bisschen Trost findet Kyra bei dem Taxifahrer Doug (Kiefer Sutherland), den sie in einer Bar kennengelernt hat. Ab und zu hilft er ihr mit etwas Geld aus. Es fällt ihr schwer, sich über Wasser zu halten, denn Arbeit in ihrem Alter zu finden, scheint schier unmöglich. Die Rente der Mutter fehlt. Es häufen sich unbezahlte Rechnungen, der Strom wird abgestellt, die Heizung bleibt kalt. Ihr droht die Zwangsräumung. Um der Räumung zu entgehen, schlägt sie einen äusserst riskanten Weg ein.

In der Düsternis sieht man eine alte Frau mit Krückstock, Sonnenbrille, grauer Perrücke, eine Wollmütze tief ins Gesicht gezogen und einen wollenen Schal um Hals den Hals gewickelt. Es ist Kyra, die jeden Monat gebrechlich zur Bank tapert, um die Rente ihrer Mutter abzuheben.

Der nigerianische Regisseur Andrew Dosunmo, der bisher Filme drehte, die im Dunstkreis afrikanischer Immigranten spielen, hat mit „Wo ist Kyra“ sich derer angenommen, die vom „American Dream“ nur träumen können und deren Leben durch Alter und Armut zu einem düsteren Überlebenskampf  wird, wenn sie überhaupt noch in der Lage sind zu kämpfen und die letztendlich durch die engen Maschen des US-amerikanischen Sozialsystems fallen.

Nur die im Lichte stehen sieht man, die im Dunkeln sieht man nicht. Es zerreisst einem das Herz. Michelle Pfeiffer bei ihrer Performance als alte gebrechliche Frau, schemenhaft in der Verkleidung ihrer Mutter, durch New York humpeln zu sehen. Ihr eindringliches Spiel wird jedoch von der Dunkelheit verschluckt.

Man möchte sich nicht vorstellen, wieviele „Kyra“ es auf dieser Welt gibt. Dosunmus Sozialdrama ist ein Aufruf für mehr gelebte Humanität.

Berthold Brecht: “ Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen im Licht und man sieht die im Lichte,  die im Dunkeln sieht man nicht“.

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