JIBRIL START: 09.05. 2019

Die attraktive Deutscharaberin Maryam (Susana Abdulmajid) lebt mit ihren 3 Töchtern in Berlin. Ihre Ehe ist geschieden, da sie und ihr Mann unterschiedliche Lebensauffassungen haben. Einer ihrer Schüler aus dem Integrationskurs einer Sprachschule hat sich offensichtlich in die junge Lehrerin verliebt. Höflich fragt er sie, ob sie mal mit ihm ausgeht. Maryam erklärt ihm zurückhaltend, dass sie keine Zeit habe.

Wenn sie abends ihre alltägliche Routine hinter sich gebracht hat, flüchtet sie sich sehnsuchtsvoll in die Bilder ihrer heissgeliebten arabischen Soap Opera. Man spürt, dass eine neue Beziehung für sie noch nicht in frage kommt. Die Angst, dass es wieder schief gehen könnte, ist noch zu gross. Eines Tages besucht sie in Vertretung ihrer Freundin Samira einen jugen Mann im Gefängnis, um ein Paket für ihn mitzunehmen. Es handelt sich um Gabriel, genannt Jibril (Malik Adan), den sie vor Jahren auf einer Party traf und mit dem sie ein wenig flirtete. Schon bei diesem ersten Besuch ist klar zu ersehen, dass die beiden sich sehr sympathisch sind. Unentschlossen macht sie bei ihrem zweiten Besuch vor dem Gefängnistor wieder kehrt. Enttäuscht schickt Jibril ihr ein Foto von sich Nach einer kurzen Phase des Nachdenkens, werden aus dem einen Besuch mehrere. Vor den Augen des Justizbeamten tauschen sie versteckte Zärtlichkeiten aus. Jibril nimmt an einer Gesprächsrunde mit dem Thema, haben Beziehungen im Knast eine Chance, teil. Zwischen den Besuchen telefonieren sie. Maryams Mutter, die sie hin und wieder unterstützt, zeigt sich besorgt: „Ein Arschloch bist du los. Du wirst doch wohl nicht….?

Jibrils Stimmung ändert sich schlagartig, als sein Handy konfisziert wird. Die Verlegung in den offenen Vollzug aufgrund guter Führug, hat sich offensichtlich erledigt. Seine Gefühlswelt ist durch den Knast eh schon verroht und die Vorstellung, weitere drei Jahre in dieser Zwangsisolation zu leben, führen zu einem unkontrollierten Wutausbruch. Hilflos schreit er Maryam an, zu gehen. Er schafft es nicht, ihr den Grund seiner Wut mitzuteilen. Maryam ist irritiert. Seine Anrufe vom Knasttelefon ignoriert sie. Auch seine Entschuldigung können ihre Zweifel nicht stoppen. Sie braucht Zeit. Beide befinden sich in einem Gefühlschaos. Das sie nach langer Überlegung zu ihm hält, kann man hier ausnahmsweise verraten. Regisseurin Henrika Kull bleibt ganz nah an ihren Figuren. Wichtig sind ihr deren Emotionen, weniger wichtig ihre Umgebung. Genau das, macht die Stärke dieses Films aus. Das Besondere dieser aussergewöhlichen Beziehung wird von ihr klug beobachtet. Vom ersten Kennenlernen, den Zweifeln, der Beginn ihrer Leidenschaft, ihrem ersten Streit, der fast zu einer Trennung führt bis zu dem Moment, als Maryam ihm vorschlägt zu Heiraten und die über allem stehende Frage, ob diese Liebe unter diesen aussergewöhnlichen Umständen, überhaupt eine Zukunft hat. Henrika Kull konzentriert sich bewusst nur auf das Liebespaar. Viele Fragen lässt sie unbeantwortet. Warum sitzt Jibril überhaupt im Knast, dieser hübsche Junge mit seinem verschmitztem Lächeln und seinen wilden Locken? Wie reagieren ihre Töchter auf diese Beziehung? Wie soll er, wenn er dann mal draussen ist, die Frau mit ihren drei Kindern versorgen? Fragen, die Henrika Kull bewusst offen lässt. Der Zuschauer kann selbst entscheiden, ob er diese Informationen wirklich braucht. Ich brauchte sie nicht. Der Film erzählt nichts weiter als eine Liebesgeschichte, die sich nicht nur hinter, sondern für Maryam, auch vor trennenden Gefängnismauern, entwickelt hat. Das macht sie zu etwas ganz Besonderem.

Es ist Silvester. Maryam ist allein. Die Kinder sind bei ihrem Vater. Jibril hockt allein in seiner Zelle. Draussen leuchtet ein Feuerwerk das Neue Jahr ein…. Wie es mit den beiden weiter geht, wir wissen es nicht.

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