RAY & LIZ START: 09.05. 2019 (Das Drama besticht durch seine atemberaubende Bildsprache)

Das Drama „Ray & Liz“ basiert auf den Kindheitserinnerungen des Fotografen und Videokünstlers Richard Billingham. In drei Episoden schildert er seine schockierenden Erfahrungen in Black Country, dem schwarzen Land Englands.

Ein Mann quält sich aus seinem Bett. Die Wände des spartanisch eingerichteten Zimmers sind vergilbt, die Tapete hängt stellenweise in Fetzen. Er, Ray, raucht, eine Zigarette nach der anderen und wartet auf den selbstgebrauten Alkohol seines Sozialarbeiters. Die einzigen Mitbewohner: Dicke fette Fliegen. Sein Tagesablauf besteht aus saufen, rauchen und aus dem Fenster starren, wenn er nicht gerade schläft. Liz ist ausgezogen.

Rückblende.

Ray, Liz und ihre beiden Söhne, der kleine Jason und Rich, der grössere, hausen mit ihren Tieren, dem Hund Sooty, einem Wellensittich und einem Hamster in prekären Wohnverhältnissen. Auch hier das gleiche Bild. Rauchgeschwängerte Tapeten, der Teppich voller Hundehaare und Dreck, wohin man blickt. Die füllige Liz, gekleidet in einem Blümchenkleid beschäftigt sich mit Näharbeiten oder legt Tierpuzzel. Egal, was sie tut, die Zigarette ist immer dabei.

Der etwas geistig behinderte Onkel Lawrence passt auf den kleinen Jason auf, während der Rest der Familie das Haus verlässt, um Schuhe zu kaufen. Der Kleine hockt auf dem Teppich und spielt.

Ein junger Mann taucht auf, holt aus dem Keller eine Kiste Alkohol. Schreckliches passiert.

Jason ist inzwischen grösser geworden. Er ist sich selbst überlassen. Seine Nahrung besteht aus Toastbrot mit Marmelade. Ab und zu streichelt er sein Kaninchen.

Jason, der Tiere liebt streunt allein durch den Zoo.

Einen Nachmittag und Abend verbringt er bei gleichaltrigen Freunden. In der Dunkelheit macht er sich auf den Heimweg, verläuft sich und übernachtet in einem leerstehenden Schuppen in Eiseskälte. Von der Mutter seiner Freunde wird er gefunden. Sie nimmt ihn mit nach Hause und kümmert sich um ihn. Zum ersten mal spürt er eine ungekannte Wärme. In der Familie verbringt er einige Tage. Er flunkert der Mutter vor, dass er zuhause Bescheid gesagt hat. Vermisst wird er nicht.

Als Liz das Kaninchen im Kinderwagen ausfährt, trifft sie Jason zufällig im Park.

Das Jugendamt schaltet sich ein. Jason soll in eine Pflegefamilie kommen. Das bedeutet für die Billinghams, 25 Pfund weniger Geld im Monat. Rich wird hellhörig und fragt, ob er nicht auch in einer Pflegefamilie untergebracht werden kann…..

Das Sozialdrama besticht durch seine Bilder. Bilder, deren Ausdruckskraft mehr aussagen, als es Worte vermögen. Der Verzicht auf Filmmusik macht Sinn. Nur am Ende erklingt ein trauriges Lied.

„Ray & Liz“ ist Billinghams Debüt als Spielfilmregisseur. Gedreht wurde im 4:3 Format, was die soziale Enge, in der sich seine Protagonisten befinden, zusätzlich unterstreicht. Aus jeder seiner Filmeinstellungen, könnte man einen herausragenden Fotokatalog machen. Seine Bildsprache ist atemberaubend. Der Film, der auf einer Portraitserie seiner Eltern beruht, geht tief unter die Haut.

D: Ella Smith (Grossartig), Patrick Romer, Justin Salinger u.a.

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