GLÜCKLICH WIE LAZZARO START: 13.09.2018

Inviolata, ein abgeschiedenes Landgut im italienischen Nirgendwo. Hier herrscht die Zigarettenkönigin Marquesa Alfonsina de Luna (Nicoletta Braschi) mit harter Hand über ihre Landarbeiter. Lazzaro (Adriano Tardiolo) ist einer von ihnen. „Lazzaro, Lazzaro, ruft es von allen Seiten. „Tu mal dies, tu mal das“. Der gutmütige, duldsame und schweigsame Junge, den alle für einen Idioten halten, ist dazu verurteilt die Drecksarbeit auf der Tabakplantage zu machen. Alfonsina schämt sich nicht im geringsten ihre Landarbeiter wie Leibeigene auf den Feldern schuften zu lassen, obwohl die Naturalpacht in Italien längst abgeschafft ist.

„Die Menschen zu befreien heißt, ihnen ihr Sklavendasein bewusst zu machen und sie ins Unglück zu stürzen. Ich beute sie aus und sie den armen Lazzaro“. Es gibt keinen Lohn, ab und zu ein paar Kartoffeln und wenn der Aufseher gut gelaunt ist, auch mal ein Stück Seife. Die Menschen haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Ihr ausgeprägter Aberglaube ist verbunden mit einer Furcht vor dem, was hinter dem plätscherten Bach, der durch die Landschaft fliesst, an Unerwartetem lauern könnte. Eine Flucht kommt für sie nicht in Frage.

Als Tancredi (Tomaso Ragno), der Sohn der Zigarettenkönigin plötzlich auftaucht, lässt er sich von dem gutgäubigen Lazzaro einen Ort zeigen, wo er sich verstecken kann. „Meine Mutter ist eine eiskalte Ausbeuterin. Sie hält euch alle für Tiere“. Seiner Mutter täuscht er eine Entführung vor und verlangt 1 Million Lösegeld. Lazzaro, der nur noch seine Großmutter hat, fällt auf Tancredis Behauptung , dass sie beide Halbbrüder seien, rein. Geschickt täuscht er ihm eine Freundschaft vor.

Die Mutter geht auf die Forderung nicht ein. Das ganze System fällt in sich zusammen. Die Gendarmerie vertreibt die versklavten Landarbeiter in die Stadt. Mit Diebstählen und Betrügereien halten sie sich über Wasser. Glücklich werden sie nicht. Doch wo ist Lazzaro geblieben? Ein ausgezehrter Wolf erkennt das Gute in dem Jungen.

Alice Rohrwachers Kinowunder GLÜCKLICH WIE LAZZARO ist ein Meisterwerk voller magischer Momente. „ein politisches Manifest, ein Märchen über die Geschichte Italiens der letzten fünfzig Jahren, ein Lied. Das Märchenhafte dient hier als Bindeglied zwischen der Realität und einer anderen Ebene der Wahrnehmung“ Es ist die betörende Geschichte eines unscheinbaren, selbstlosen Heiligen, der keine Wunder vollbringt, der in dieser Welt lebt und der einfach an die Menschen glaubt und törichterweise als Idiot abgestempelt wird.

Ein Film, märchenhaft und wunderschön. Er erinnert an das italienische Kino des frühen Federico Fellini und mit seinem Neorealismus an Pier Paolo Pasolini.

„Lazzaro felice – Glücklich wie Lazzaro“ (2018) wurde bisher mit der Palme für das Beste Drehbuch auf dem Festival in Cannes und mit dem International Cinephile Society Award – Beste Regie ausgezeichnet.

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