STYX START: 13.09. 2018

Styx, (Wasser des Grauens). Entsprechend der griechischen Mythologie stellt der Fluss Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades dar.

Rike (Susanne Wolff) ist eine verantwortungsvolle und selbstbewusste Notärztin. Sie unterbricht ihren Kölner Alltag und erfüllt sich einen Traum. Mit ihrer kleinen Segelyacht begibt sie sich von Gibraltar als Alleinseglerin auf hohe See. Ihr Ziel ist die die Atlantikinsel Ascension, zwischen Afrika und Südamerika, die nach den Plänen von Charles Darwin bepflanzt wurde. Eine Wildnis, von Menschenhand angelegt.

Regisseur Wolfgang Fischer lässt sich viel Zeit, bevor es zu dem aufwühlenden Drama kommt.

Er zeigt Rike, wie sie mit körperlicher Anstrengung ihr Boot klar macht, ihre Vorräte verstaut, wie sie es geniesst nackt im Meer zu schwimmen, sich von der Sonne trocknen lässt und bei kleinen Hindernissen einen klaren Kopf behält. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielin ist auch im wahren Leben eine passionierte Blauwasserseglerin und besitzt einen internationalen Segelschein.

Nach einem Sturm, entdeckt Rike durch ihr Fernglas ein seeuntüchtiges, völlig überfülltes Flüchtlingsboot. Sie informiert per Funk sofort die Küstenwache. Sie wird aufgefordert sich auf keinen Fall dem Boot zu nähern, denn das würde die in Seenot geratenen Menschen dazu bewegen, ins Wasser zu springen. Ausserdem sei ihre Segelyacht für eine Bergung viel zu klein und könnte sie zum Sinken bringen. Hilfe sei unterwegs. Doch die bleibt aus.Auch ein in der Nähe kreuzendes Frachtschiff verweigert die Seenotrettung Rike ist hin-und hergerissen, zwischen Vernunft und ethischer Moral. Als sie beobachtet wie ein Junge auf sie zuschwimmt, siegt ihr Berufsethos. Mit grosser Anstrengung hievt sie das total erschöpfte Kind aus dem Wasser und versorgt es fachmännisch. Der traumatisierte Junge, Kingsley nennt sie ihn, stammelt , nachdem er nach Stunden zu sich gekommen ist, nur „meine Schwester, meine Schwester“. Ein Rettungsschiff ist weit und breit nicht zu sehen. In seiner Verzeiflung schubst er Rike ins Wasser und versucht die Yacht irgendwie in Richtung der um Hilfe schreienden Flüchtlinge zu manövrieren. Er begreift, dass er nichts ausrichten kann.

Fischer verzichtet in seinem dramatischen Kammerspiel auf hoher See, bewusst auf untermalnde Musik. Er urteilt nicht. Auch die Wörter Flüchtling und Migrant vermeidet er. Sein Augenmerk liegt auf den sterbenden Menschen und wie man ihnen (oder auch nicht) hilft. Er zeigt die Machtlosigkeit einer einzelnen Person und wirft die Frage auf: „Wie würde ich handeln“. Eine humanistisch orientierte, verantwortungsvolle Küstenwache könnte es schon. Sein Thema, leider hochaktuell.

Die Rolle des Kingsley wird von Gedion Odour Wekesa dargestellt. Er lebt mit seiner Familie in Kibera, einem Slum in Nairobi Im Drama Department des Förderprogramms von ONE FINE DAY e.V. erhielt er Schauspielunterricht und hat sich unter 40 Jungen für die Rolle des Kingsley durchgesetzt. Styx ist sein Filmdebut.

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