MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM START:13.09.2018

„Die Dreigroschenoper ist ein Versuch, der völligen Verblödung der Oper entgegenzuwirken“. (O-Ton: Bert Brecht)

August 1928. Im Berliner BE wird Brechts Dreigroschenoper uraufgeführt. Der Erfolg ist grandios.

Nun soll der Stoff für die Leinwand adaptiert werden. Brecht selbst soll das Drehbuch schreiben. Doch er hat ganz andere Ambitionen. Für einen Film muss das Stück radikalisiert und politisch brisanter und entstaubt in Szene gesetzt werden. „Der Hai muss wieder Zähne bekommen“. Das passt den Produzenten nicht. Es kommt zum Streit.

Regisseur und Autor Joachim A. Lang erzählt die Geschichte in seinem Film MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM nicht gewohnt gradlinig. Fiktion und Realität verschmelzen. Brecht tritt immer wieder auf und kommentiert und provoziert. Brecht, der mit Kurt Weill (Robert Stadelober) am Treatment für den Film arbeitet und dessen Vorstellungen von der Produktion in Frage gestellt werden, kontert auf ihre Einwände: „Wenn sie etwas Vernüftiges sehen wollen, gehen sie auf`s Pissoir“. An seiner gedanklichen Selbstinszenierung scheitert der Film im Film. Eine fast surreale Situation. Diese Rahmenhandlung konzentriert sich auf die Jahre 1928 bis 1933. Um das Projekt zu retten, macht ihm die Nero – Film ein üppiges finanzielles Angebot, vorausgesetzt er verzichtet auf seine Mitarbeit.  Brecht lehnt ab und will mit einem Gerichtsprozess der Öffentlichkeit beweisen, dass die Geldinteressen der Filmfirma stärker sind als die Rechte eines Autors. Die Klage wird abgewiesen. Ausserdem kommt es zu gewaltsamen Übergriffen. Aufführungen von ihm, werden von Deutschnationalen und Nazis gestört und der Reichsverband Der Deutschen Filmtheaterbesitzer protestiert gegen die geplante Verfilmung, da die Zuhälterballade an „unheilbar Sexuell – Verblödetem“ nicht zu übertreffen sei.

Alles was Brecht (Lars Eidinger) im Film sagt, sind Texte und Zitate aus seinem Gesamtwerk.

Die zweite Ebene, die Dreigroschenhandlung, angesiedelt in einer Art Kunst – London um 1900, beginnt mit dem Zuhälter und Gangsterboss Macheath (Tobias Moretti), der im Menschengewühl um einen Moritatensänger (Max Raabe), der den Meckie – Messer Song zum Besten gibt, von dem „entzückenden Hintern“der Polly Peachum (Hannah Herzsprung), Tochter des Bettlerkönigs (Joachim Król) derart fasziniert ist, dass er beschliesst , sie zu heiraten. Die Hochzeitsfeier arrangiert er als ein großes gesellschaftliches Ereignis, bei dem nicht nur seine Bandenmitglieder, sondern auch sein Freund, der Polizeichef Tiger- Brown (Christian Redl), der Oberrichter von Drury Lane und der Pfarrer, geladen sind. Der Höhepunkt des Festes, der berühmte Kanonensong, performt von Tiger- Brown.

Überhaupt, die Kombination zwischen Text und Musik ist im gesamten Film grossartig gelungengen. Das Timing ist perfekt arrangiert.

Der dritte Erzählstrang zeigt das „Reich“ des Bettlerkönigs Peachum und seiner Frau (Claudia Michelsen), der seine lohnabhängigen Angestellten in Bettlerklamotten auf die Strasse schickt. Von der Heirat ihrer Tochter, ganz und gar nicht amüsiert, fordert er, denn seine Macht ist nicht zu unterschätzen, den Polizeichef Tiger- Brown auf, Macheath sofort zu verhaften. Als der nicht reagiert, spricht er eine Drohung aus, die Tiger- Brown in grosse Schwierigkeiten bringen würde. Er kann Macheath nun nicht mehr schützen. Dem bleibt nur noch die Flucht. Doch vorher übergibt er seiner Frau noch die Geschäfte. Polly, die ihrem Mann längst geraten hat, Bankier zu werden, bereitet alles vor und kauft die National Deposit Bank.

Der Schwerpunkt der ästhetisch inszenierten, gesellschaftskritischen 3- Groschenwelt, ist aktueller denn je. Beeindruckend die Ausstattung von Peachums Geschäftsraum, der wie ein moderner Herrenaustatter wirkt, indem allerdings keine massgeschneiderten Anzüge hängen, sondern zerlumpte Klamotten für seine Bettlerstaffel. Perfekt choreographierte Tanzszenen und natürlich Kurt Weills Songs, die inzwischen längst zu berühmten Schlagern geworden sind, verbinden das Politische mit dem Leichten auf unterhaltsame Weise. Ein herausragendes Stück Weltliteratur, völlig neu interpretiert. Es endet mit den Zeilen: „Denn die einen sind im Dunkeln/ Und die andern sind im Licht/ und man siehet die im Lichte/ Die im Dunkeln sieht man nicht. Vor mich hinsummend habe ich das Kino verlassen.

Wer kennt sie nicht, „Die Moritat von Mackie Messer“, gesungen von Frank Sinatra, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald bis zu Harald Juhnke und Robbie Wiiliams. Aber das nur nebenbei.

Noch einige Zitate: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank, gegen die Gründung einer Bank? Wenn ihr die Meinung eines bedeutenden Mannes hören wollt, kann ich nur sagen, dass ich eine ausgezeichnete Meinung von mir habe“. ( Bertolt Brecht)

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