FEINDE – HOSTILES START: 31.5.2018

„Erste und bleibende Opfer amerikanischer Gewalt wurden die Indianer. Durch List, Kriege und Vertragsbrüche wurden die Uramerikaner um ihr Land gebracht. Die Weißen hielten die Indianer nicht für Menschen, sondern für „wilde Bestien“. Einsichtige Toleranz den „Wilden“ gegenüber wurde in weiten Kreisen der Weßen tief verachtet und als Verrat an der Sache der vermeintlich höheren Kultur angesehen. Kaum etwas war schändlicher, als ein „injun-lover“, also jemand zu sein, der Sympathien für den Feind zeigte.“ (Quelle: AMI GO HOME)

1892. Es ist das Ende der brutalen Indianerkriege.

Der Kavallerie-Offizier Blocker (Christian Bale) hat das Massaker am Wounded Knee, dem letzten Widerstand  der Indianer gegen die Weissen voller Hass überlebt. Er war ein regelrechter „Indianer – Schlächter. Er fühlte sich total im Recht, die „Wilden“ umzubringen, denn es war sein Job.

Derselbe Mann liest in seiner Freizeit die Schriften Julius Cäsars im lateinischen Original.

Ausgerechnet er bekommt den Auftrag, einen seiner alten Feinde, den Cheyenne – Häuptling Yellow Hawk (Wes Studie), nach siebenjähriger Gefangenschaft zusammen mit seiner Familie aus dem südwestlichen New Mexico in sein früheres Stammesland, nach Montana zu eskortieren.

So lautet der Beschluss des amerikanischen Präsidenten, der damit einen Gnadenakt, für den schwerst an Krebs erkrankten Häuptling etablieren will. Sollte  Blocker sich weigern, wird ihm seine Pension entzogen und man droht ihm, ihn vor das Militärgericht zu stellen.

Ausserdem: Pflicht ist Pflicht.

Das ist die Ausgangssituation in Scott Coopers düsterem Neowestern „Feinde – Hostiles“.

Widerwillig fügt sich Blocker dem Befehl. Ihr Ritt führt  die Gruppe durch wunderschöne Landschaften, durch die Prärie, durch Halbwüsten, Canyons und Flüsse.

Gleich zu Beginn ihrer Reise begegnet die ungleiche Truppe einer schwer traumatisierten Prärie – Siedlerin Rosalie Quaid (Rosamunde Pike). Als  sie gerade ihre Kinder unterrichtet, wird ihre Familie von einer  Horde Komantschen überfallen. Ihr Mann und ihre drei Kinder werden getötet.

Blocker findet die unter Schock stehende Überlebende mit ihrem toten, blutigem Baby im Arm. Er weist seine Leute an, ein Grab für das Kind zu schaufeln. Unter lautem Wehgeschrei schaufelt Rosalie das Grab mit ihren eigenen Händen. Einer der Soldaten murmelt die Worte: „Irgendwann gewöhnst du dich an das Töten“. Rosalie schliesst sich der Gruppe an.

Sie bemerken, dass sie verfolgt werden. Wieder sind es die Komantschen. Blocker und seine Soldaten schaffen es, die Indianer in die Flucht zu jagen, indem sie einige von ihnen töten.

Am nächsten Tag finden sie die restlichen Komantschen tot am Wegesrand, ermordet von Yellow Hawk, der sich nachts mit seinem Sohn Black Hawk aus dem Lager geschlichen hat.

Spätestens jetzt wird allen klar, dass sich die einstigen Feinde gegen Gefahren zusammenschliessen müssen. Blocker erkennt langsam, dass die Cheyenne seinen Kameraden immer ähnlicher werden.

Diese Erkenntnis ist der Katalysator für seine Bewusstseinsändrung.

Die Truppe bekommt unterwegs Zuwachs. Es handelt sich um einen Soldaten (Ben Foster) der wegen Mordes hingerichtet werden soll, wegen der gleichen Verbrechen, die Captain Blocker verübt hat.

Cooper (Crazy Heart) erzählt das Drama in kraftvollen Bildern, die nicht unbedingt für jedermann anzuschauen sind. Sie kommen mit einer rauen und intensiven Wucht daher, die kaum erträglich ist.

Mit umwerfender Emotionalität stellt sich die bis heute immer wiederkehrende Frage, wie man mit seinen Feinden und ihren verwerflichen Taten umgeht , ohne sich selbst in einen grausamen „Schlachter“ zu verwandeln. „Hostiles“ ist eine Geschichte, die auf brutale Weise darauf aufmerksam macht, wie schwierig es ist, verschiedenen Kulturen mit gegenseitigem Respekt zu begegnen, ohne als unterwürfige Marionette irgendwelchen Grössenwahnsinnigen in ihrer gnadenlosen Denkweise zu folgen. „America First“, oder wie sagt Rosalie: „An Gottes raue Wege werden  wir uns nie gewöhnen“. Ich halte mich eher an die Worte von D. H. Lawrence:

„Die amerikanische Seele ist in ihrer Essenz hart, isoliert, stoisch und mörderisch. Sie ist bisher noch niemals aufgetaut“.

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