MEINE TOCHTER – FIGLIA MIA START: 31.05.2018

Kurz vor ihrem 10.Geburtstag werden die Gefühle der rothaarigen, hellhäutigen Vittoria (Sara Casu) heftig durcheiander gerüttelt.

Laura Bispuri hat das Drama um eine Tochter zwischen zwei Müttern auf Sardinien angesiedelt, in einer Region, in der die Menschen nicht viel besitzen, mehr oder weniger von der Hand in den Mund leben, wo der Alkohol zu „einem Freund wird, um sich von alltäglichen Sorgen abzulenken. Es ist Sommer. Die Gegend ist karg und die sommerliche Hitze lässt wenig Spielraum für eine üppige Vegetation. Hier lebt die schüchterne Vittoria mit ihren Eltern wohlbehütet, von der Mutter mit fürsorglicher Liebe überschüttet. Da ihre Eltern dunkelhaarig sind, fällt sie mit ihren roten Haaren und der besonders hellen Haut auf . Sie ist eine Aussenseiterin, stromert meist allein herum.

Bei einem Rodeo beobachtet sie eine junge Frau, die mit einem Mann sexuell herummacht. Auch sie, hellhäutig und rotblond. Noch weiss sie nicht, dass diese Frau ihre biologische Mutter ist.

Bei der Fremden handelt es sich um Angelica (Alba Rohrwacher), die ein wildes Leben führt, sich mit Kerlen amüsiert und den Alkohol nicht verachtet.

Als sie damals schwanger war, half Tina (Valeria Golino) ihr bei der Geburt und nahm das Baby Vittoria bei sich auf. Für ein Kind war in Angelicas Leben kein Platz, die Verantwortung konnte und wollte sie nicht übernehmen. Sie lebt in einem heruntergekommenen Anwesen in den Bergen, ein wenig  Geld verdient sie, indem sie junge Welpen verkauft, wofür sie sich eine Hündin hält. Ansonsten treibt sie sich in Kneipen rum und lässt sich Drinks spendieren. Im Ort ist sie als Schlampe verschrien. Auch von Tina erhält sie monatlich etwas Geld, mit der Auflage, sich von Vittoria fernzuhalten. Doch nun taucht sie auf. Sie hat genau 28.733 Euro und 14 Cent Schulden. Wenn sie die nicht bezahlt, muss sie ihr Anwesen in kurzer Zeit verlassen. Tina ist bereit, ihr etwas mehr Geld zu geben, verbunden mit der Hoffnung, dass sie den Ort verlässt und sich woanders ein neues  Leben aufbaut. Inzwischen fühlt sich Vittoria immer mehr zu Angelica hingezogen. Ist sie doch so ganz anders als ihre „Gluckenmutter“. Heimlich besucht sie die Fremde und erlebt mit ihr Dinge, die sie bisher nicht kannte und entdeckt in sich eine Seite, von der sie nicht ahnte, dass sie sie besitzt. Eine der schönsten Szenen zwischen Mutter und Tochter ist ein ausgelassener Tanz zu dem  Lied „ Diese Liebe berührt man nicht“. Sie streunen gemeinsam durch die Natur. Irgendjemand hat von einem Schatz erzählt, der in einem schmalen Erdloch versteckt sein soll. Das wäre die Rettung für Angelica. Sie bittet Vittoria in das enge Loch zu steigen. Obwohl das Mädchen schon viel furchtloser geworden ist, traut sie sich nicht.

Für die Tina sind die Treffen der beiden unerträglich. Sie stellt Angelica zur Rede und will ihr klar machen, dass das Kind ihr gehört. Doch sie muss erkennen, dass die beiden mehr verbindet als sie wahrhaben will. Sie begreift, dass auch sie nicht die perfekte Mutter ist, die sie glaubte zu sein und das  ihre Tochter komplexer ist, als sie dachte.

Auch Vittoria ist hin-und hergerissen zwischen der Liebe, Fürsorglichkeit und Sicherheit die Tina ihr gibt und dem wilden, unangepassten und furchtlosen Charakter, den Angelica verkörpert.

Am Ende kriecht das Mädchen doch in das enge Loch. Ein Liebesbeweis an ihre Mutter. Einen Schatz sucht sie dort vergeblich.

Alba Rohrwacher ist längst ein Star des italienischen Autorenkinos. Sie und das facettenreiche Spiel von  Sara Casu, die wirklich auf Sardinien lebt retten die Klischees des Drehbuchs und der Inszenierung mit ihrem ausdrucksstarken Spiel. Beide Mütter sind überstark kontrastreich gezeichnet, so dass kaum Raum für feine Nuancierungen bleibt. Es ist trotzdem ein besonderer Film, dessen Thematik interessant und nachdenkenswert ist, eingebettet in grossartige Landschaftsbilder, in denen man die Hitze förmlich spürt.

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