HERRLICHE ZEITEN START: 03.05. 2018

Nach einem satirischen Roman mit dem Titel „Subs“ hat Oskar Roehler seinen Film „Herrliche Zeiten“ gedreht. Das Buch, sowohl als auch der Film, schildern die Instrumentalien des modernen Sklaventums.

Der Schönheitschirurg Claus Müller-Todt (Oliver Masucci) und seine Frau, die Gartenarchitektin Evi (Katja Riemann) haben ihre gepflegte Villa günstig bei einer Zwangsversteigerung erworben.

Aus einer alkoholisierten Laune heraus, gibt Müller-Todt eine Anzeige auf, die da lautet: „Sklave/in gesucht. Seine Frau, die unter Schock steht, da sie zufällig mitansehen musste, wie ein Immobilienspekulant vor ihren Augen in den Tod stürzte, hat sich ersteinmal krank schreiben lassen. Um sie zu entlasten, muss eine Hausangestellte her.

Das eine Truppe schwarz gekleideter Ledertypen und Lederfrauen, sowie man sie von den Berliner Folsom-Tagen kennt (Insider wissen wovon ich rede) vor der Tür steht, damit hat Müller-Todt nicht gerechnet. Seine Frau ist schockiert. Er schickt die Meute schleunigst wieder weg.

EinTag später erscheint ein Mann, der die Anzeige „Putzssklave gesucht“, richtig verstanden hat.

Er sucht eine Arbeit, bei der er Menschen dienen kann, die es wert sind, gibt er zu verstehen. „Ich lege keinen Wert auf Bezahlung, Unterkunft und Verpflegung reichen mir, Hauptsache ich mache eine menschenwürdige Arbeit“.

Sie entscheiden sich für den äusserst kultiviert erscheinenden Mann (Samuel Finzi), handeln mit ihm eine Probezeit aus und geniessen die Annehmlichkeiten, die er ihnen bietet. Bartos, so nennt er sich, tischt die allerfeinsten Gerichte auf. Anfangs spürt Evi sichtbares Unbehagen, als bei jeder ihrer Bitten der Satz „zu Befehl Herrin“ fällt. Claus hingegen findet es völlig normal und geniesst es.

Als Bartos die Probewoche bestanden hat, taucht seine junge, bildhübsche Frau Lana (Lize Fryn) auf, die Evi von nun an mit Thalasso-Therapien versorgt.

Bartos schlägt vor, für Evi einen Swimmingpool bauen zu lassen. Dafür heuert er einen Trupp bulgarischer Schwarzarbeiter an. Die tummeln sich jetzt Tag und Nacht im Garten.

„Ich mag es nicht, wenn die Bulgaren mir durch die Scheibe beim Essen zuschauen. Weg damit“ brüllt Müller-Todt verärgert.

In der Villa nebenan wohnt der Diktatorsohn Mohammed Al Thani (Yasin El Harrouk), zu dessen Mottoparties die Müller-Todts eingeladen werden. Bei dem Anblick von diversen Folterfotos , wird sogar dem abgebrühten Claus schlecht. Evi fühlt sich von Anfang an unwohl und will nach Hause.

Die Situation im Hause Müller-Todt verfinstert sich. Evi will nicht weiter mitansehen, wie ihr Mann sich in der Rolle des Herrenmenschen von Tag zu Tag wohler fühlt. Sie beschliesst wieder arbeiten zu gehen und fordert Bartos und seine Frau auf, das Haus zu verlassen. Spätestens jetzt merkt man, dass Bartos nicht so selbstlos handelt, wie er vorgegeben hat. Die Situation eskaliert ins Groteske, wobei Al Thani kräftig mitmischt.

Masucci, der im Film sein Geld überwigend mit Fettabsaugen verdient, in schrill-bunten Klamotten rumläuft, bei jeder Gelegenheit sein widerlich vollfettes Lachen ertönen lässt, ist nichts weiter als ein proletenhafter Neureicher, der sich in seiner gewissenlosen Herrenmenschenrolle so richtig gehen lässt. Spätestens im letzten Drittel, vergeht einem das Lachen. Der anfänglich noch bitterböse Blick auf eine saturierte Gesellschaft, die für ihre Interessen „über Leichen“geht“, verflacht zusehends. Die Figuren sind derart überzogen, dass man sich in ihnen nicht wiederfindet, stattdessen nur noch über sie lacht.

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