3 TAGE in QUIBERON START: 12. 4. 2018

Frühjahr 1981. Romy Schneider hat sich in einem Kurhotel in an der französischen Atlantikküste in der  kleinen Hafenstadt Quiberon einquartiert. Eigentlich ist sie da, um zu vergessen und sich zu erholen. Sie hat zwei gescheiterte Ehen hinter sich. Ihr erster Mann, Harry Meyen, hat sich einige Zeit nach der Scheidung erhängt und ihr zweiter Mann, Daniel Biasini, hat sie finanziell ausgenommen und die französischen Steuerbehörden forderten Nachzahlungen in Millionenhöhe. Sie macht sich Vorwürfe, sich nicht mütterlich genug um Ihre beiden Kinder gekümmert zu haben. Ihre Worte: „Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider“. Romy Schneider, die in einer tiefen Lebenskrise steckt,  gibt in Quiberon das wohl intimste Interview, was sie je gab.

„3 Tage in Quiberon“ ist das berührende Portrait einer in der Öffentlichkeit stehenden Frau, einem Weltstar, keine Hommge, gespielt von Marie Bäumer. In Begleitung ihrer besten Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) lässt sie sich, trotz negativen Erfahrungen mit der deutschen Presse mit dem Stern-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und ihrem Lieblingsfotografen Robert Lebeck (Charly Hübner), der die Fotos dazu schiesst, auf ein Interview ein. Die beiden Männer treffen eine Frau, die völlig erschöft ist, einen Film nach dem anderen gedreht hat, um aus ihrem finanziellen Schlamassel herauszukommen. Mit einer beeindruckenden Offenheit, spricht sie über ihre Ängste, ihre Selbstzweifel und auch über ihre Sehnsüchte. Es gibt wunderbare Szenen, wo sie lacht, ausgelassen tanzt, Champagner trinkt, ausgelassen am Meer über Felsen springt und tobt, sich wieder in ihr Bett verkriecht, nichts sehen und hören will. Sie zeigt Bilder von ihren Kindern, ist glücklich und ausgelassen. All ihre Emotionen fängt Lebeck mit seiner Kamera ein. Herausgekommen sind wunderbare schwarz-weiss Bilder, bedingt , durch das tiefe Vertrauensvehältnis, was sie beide hatten, macht den Film total authentisch. Es ist frappierend, wie ähnlich, gerade im Profil, Marie Bümer ihr ähnelt. Es gibt Momente, da vergisst man, dass die Person auf der Leinwand nicht Romy Schneider ist. Ihre Stimmungsschwankungen waren für Hilde auch nicht leicht zu ertragen. Sie wollte,  dass Romy das Interview abbricht, da Jürgs einige Fragen fast schon unverschämt formulierte. Aber Romy Schneider hielt durch. In der Talkshow 3 nach Neun, in der Marie Bäumer zu Gast war, erzählte Giovanni di Lorenzo, dass Jürgs ihn angerufen hat und erzählt, dass er in seinem Kinosessel beim Betrachten des Films, immer tiefer rutschte und gesagt hat:“ Romy, du lebst ja doch noch“. Ein schöneres Kompliment kann man Marie Bäumer nicht machen.

In den Tagen in Quiberon konnte niemand ahnen, dass sie nur noch ein Jahr hatte, um ihrem Leben noch eine positive Wendung zu geben. Sie starb im Mai 1982. Über 60 Filme in 28 Jahren, hat sie gereht und sie zu einem Mythos gemacht. Unvergesslich ihr wunderschönes kraftvolles Lachen.

Ich werde nie vergessen, als ich mit ihr im selben Flugzeug auf dem Weg von Berlin nach Paris sass. Sie hatte zuvor Biasini geheiratet, hatte noch ihr geblümtes Brautkleid an, einen Blumenkranz im Haar und musste durch den langen Gang zur Flugzeugtoilette gehen. Alle starrten sie unverhohlen an. Für die schüchterne Frau, die sie war, „ein Gang nach Canossa“.

Regisseurin Emily Atevs eindriglicher  Film wirkt noch lange nach. Romy, du, dein geliebter Rotwein und deine Zigaretten, bleiben unvergessen.

 

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