FREIHEIT START: 08.02. 2018

Nora (Johanna Wokalek) verheiratet, zwei Kinder, verlässt nach einem unharmonischem Abendessen mit Freunden das Haus und kehrt nicht mehr zurück.Eigentlich eine Tatsache, die man nur von Männern kennt. „Ich geh mal Zigaretten holen“, weg ist er.

Der Berliner Autor und Regisseur Jan Speckenbach (Die Vermissten) widmet sich in seinem Film FREIHEIT  der Frage, was denn wichtiger sei, Freiheit oder Verantwortung und was macht ihr Verschwinden mit Mann und Kindern.

Scheinbar ziellos reist Nora durch Europa. Seltsam passiv erfindet sie neue Identitäten. Sie macht Station in Wien, dann weiter nach Bratilava. Stürzt sich in eineAffaire, findet Freunde. Sie trifft die Slowakin Etela (Andrea Szabová), die in einer Live-Sex-Show auftritt und sonst ein glückliches, normales Familienleben führt. Ähnlich dem, welches Nora plötzlich verlassen hat. Sie probiert vieles aus. Doch wirklich befreit fühlt sie sich nicht. Bei allem, was sie tut, bleibt ein schaler Beigeschmack.

Unterdessen kümmert sich ihr Mann Philip (Hans Jochen Wagner) so gut es geht um die Kinder. Zwei Jahre ist sie nun schon weg. In einem Fernsehaufruf sucht er nach ihr. Er weiss nicht, ob sie überhaupt noch lebt und warum sie ihn verlassen hat. Seine 12-jährige Tochter Lena (Rubina Labusch) versteht seine Trauer nicht. Für sie ist die Mutter eine Person, die ihre Familie einfach im Stich gelassen hat, was in unserer Gesellschaft als ein unentschuldbares Tabu bezeichnet wird.

Philip lenkt sich in seinem Beruf als Anwalt mit einem besonderen Fall ab. Man sieht ihn am Bett eines ins Koma geprügelten Afrikaners, dessen Schläger er verteidigt. Er streichelt ihm liebevoll über die Wange. Eine anrührende Geste, die seine Verletzlichkeit zum Ausdruck bringt.

Speckenberg, inspiriert von Ibsens „Nora oder ein Puppenheim“, nimmt sich ohne zu moralisieren einem Thema an, dass bei Fesivalaufführungen heftige Diskussinen ausgelöst hat. In unseren Köpfen spukt immer noch der Gedanke herum, dass Frauen so etwas nicht tun. Keine Mutter verlässt einfach ihre Kinder, indem sie sich stillschweigend auf und davon macht. Philip hat nicht die geringste Chance, sich zu verändern. Er bleibt in zermürbender, gedanklicher Unfreiheit zurück.

Wokalek spielt ihre Rolle fein nuanciert. Trotz aller Neugier auf ein Leben in Freiheit umschwebt sie der bittere Hauch von Verlorenheit.

Speckenbach ist mit „Freiheit“ ein sehenswertes, „Experiment“ gelungen. Zwei Musiktitel lassen aufhorchen. Marlenes „Wenn ich mir was wünschen könnte“ und der Song  „Sometimes I feel, like a motherless child…..“.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s