DER SEIDENE FADEN START: 01.02.2018

Wirklich sympathisch ist einem das Modegenie Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) nicht. Er ist besessen von seiner Arbeit. Ein Pedant, kleinlich und penibel, auf sich selbst bezogen, spröde, aber leidenschaftlich, was seine Kreationen betrifft. London, 1955. Langsam erholt sich die Stadt von der Last des 2. Weltkriegs.

Er kleidet alles ein was Rang und Namen hat. Erbinnen, Herzoginnen, Filmstars. „Ihm gelingt es, dass die Angsterfüllten sich in seinen Kreationen mutig fühlen und die Unattraktiven wunderschön“.

Es ist nicht so, dass das House of Woodcock nur allein von ihm kontrolliert wird. Seine Schwester Cyril (Lesley Manville) führt mit harter Hand die Geschäfte, die Investorin Barbara Rose, die auch einiges zu sagen hat und natürlich die Damen der High Society, die bei ihm ein-und ausgehen. Auch seine verstorbene Mutter wacht in seinen Träumen noch über ihm. Weniger freundlich  könnte man ihn als narzisstisches Muttersöhnchen beschreiben.

Bei einem Wochenendausflug lernt er die Kellnerin Alma (Vicky Krieps) kennen. Er ist fasziniert von ihrer Natürlichkeit. „Wenn sie mich im Anstarren schlagen wollen, werden sie Verlieren“, schleudert sie ihm bei ihrem ersten Treffen zu. Er lädt sie zu sich nach Hause ein. Ihr Körper hat es ihm angetan. Kleine Brüste, flacher Bauch, ideal für die Vorführung seiner Roben. Alma wird nicht nur seine Muse und Geliebte, es ist die ungezügelte Anwesenheit eines Mädchens vom Lande, welches immer mehr die Kontrolle über das House of Woodcock in die Hand nimmt. Langsam begreift auch Cyril, dass sich an den eingefahrenen Strukturen etwas ändern muss. Sie ist es, die Alma lehrt, wie man mit dem sturen Reynolds umgehen muss. Ausserdem braucht das Modehaus einen Erben. Alma entwickelt immer mehr Fantasie, wie sie Woodcock gefügig machen kann. Längst hat sie sich von der Rolle der Muse verabschiedet. Der hochbegabte Designer verliert immer mehr die Kontrolle über sein „massgeschneidertes“ Leben. Die Liebe hängt an einem seidenen Faden.

Paul Thomas Anderson hat mit Vicky Krieps eine Schauspielerin gewählt, deren Namen man sich spätestens jetzt unbedingt merken muss. Lewis, der bekannt dafür ist sich perfekt auf seine Rollen vorzubereiten, hat in seinem weiblichen Gegenüber eine Person, die mit einer erfrischenden Unbkümmertheit in ihrer Rolle aufgeht. Sie bestand, völlig ungeschminkt vor die Kamera zu treten. Das muss man sich ersteinmal trauen.

Es lastet viel Trauer und Melancholie über diesem Liebesdrama. Unterbrochen wird es mit den Bildern aus der Welt der Mode, die Sinnlichkeit der feinen Luxusstoffe als Pendant zu der Unsinnlichkeit im Woodcock House. Bei aller filmischer Kunstfertigkeit, hinterlässt der Film irgendwie ein fades Gefühl.

( Interessant der Name Woodcock auf Deutsch: Holz….Hahn, Männchen, Anführer, sowie aufrichten und zuzwinkern).

Vorgeschlagen für sechs Oscars. Lewis hat verkündet, das dies sein letzter Film sei. (Wenn das  mal kein Schachzug ist).

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