DIE DUNKELSTE STUNDE START: 18.1. 2018

Er poltert, er pafft, er trinkt, ein Charakter von  Zerissenheit, Verzeiflung, Wut und Selbszweifeln. Es gab für ihn keine wirkliche Alternative als Stärke zu zeigen.

Am 10. Mai 1940 wurde Winston Churchill mit 65 Jahren zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt.

Das Vertrauen in Chamberlain ist verloren gegangen. Er soll den Platz frei machen für einen neuen Anführer. Die Engländer suchen einen Nachfolger. Sie finden ihn in der Person Winston Churchill. Vom König bekommt er den Auftrag eine neue Regierung zu bilden. Sein Auftrag: Krieg gegen eine widerwärtige Macht zu führen. Die Nazis haben grosse Teile Westeuropas eingenommen. Tausende von Soldaten sind in Dünkirchen eingekesselt.

Am 13. Mai hält er seine berühmte Blut-Schweiss-Tränenrede vor dem britischen Unterhaus.

„Siegreich müssen wir sein und siegreich werden wir sein“. Einigen in seiner Partei gefällt das gar nicht. Lord Hallifax und Chamberlain wollen unbedingt mit Hilfe Mussolinis Hitler zu Friedensverhandlungen  bewegen. Noch ist der König auch dafür. Churchill ist dagegen. Er befürchtet, dass Hitler damit seinem Grössenwahn einer Weltherrschaft ein Stück näher rückt.

Ein Telefonat mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin, den Churchill um Hilfe bittet , bleibt erfolglos. Er verweigert seine Hilfe. Auch die Franzosen halten ihn für wahnsinnig.

Man nimmt ihm übel, dass er der Bevölkerung nicht endlich reinen Wein einschenkt. Es dauert, bis er endlich wenigstens seine Sekretärin über die missliche Lage der britischen Soldaten in Dünkirchen aufklärt. Langsam begreift auch der König, dass er mit dem starrsinnigen Churchill nicht weiter kommt, stellt sich auf seine Seite und rät ihm, sich unter`s Volk zu mischen und Volkes Stimme einzufangen.

Es ist eine der unterhaltsamsten Szenen, die Regisseur Joe Wright (Abbitte) sich da ausgedacht hat.Churchill in der U-Bahn. Köstlich die erstaunten Gesichtszüge der Fahrgäste , als sie realisieren, wer da zwischen ihnen weilt. In genüsslichem Plauderton befragt er einige von ihnen, was sie davon halten, einem Friedensabkommen mit Hitler zuzustimmen. Alle: „Niemals“. Von einigen hat er sich die Namen gewissenhaft notiert. Westminsterstation steigt er aus. Nach der U-Bahnfahrt ist ihm klar, es wird in „Dieser dunklen Stunde“ keine Verhandlungen geben. In seiner letzten Rede vor dem Parlament betont er lauthals, die Insel bis zum letzten zu verteidigen, komme was wolle. Was zählt ist die Courage. Am Ende jubelten ihm, bis auf wenige, begeistert zu. Es gab es keine wirkliche Alternative, als Stärke zu zeigen. Oder hatte er mit seiner „Operation Dynamo“ mehr Glück als Verstand? „Nichts ist stärker als die Kraft einer Idee“ lautete sein Slogan. Aus heutiger Sicht, hatte Hitler damals gar keine Chance. Churchill wurde  damals bewusst als Kriegsminister eingesetzt. Als endlich wieder Frieden herrschte, war es mit seiner politischen Aufgabe vorbei. Gary  Oldman ist in der Maske des kahlen, dicken grummligen Churchill kaum zu erkennen. Die Maskenbildner haben  grossartige Arbeit geleistet. Das Victoryzeichen bei den Oscars ist ihm so gut wie sicher. Hoffentlich hält er seine Finger dann richtig und nicht so wie im Film verkehrt, denn das hiesse: Leckt mich am Arsch. Oldman liefert grossartiges Schauspielerkino.

Herrlich die Beziehung zwischen seiner Frau Clemmie (Kristin Scott Thomas) die ihn am Anfang des Kriegsdramas, daran erinnert, jetzt wo er Premier ist, sich doch bitte anständig zu benehmen.

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