GARTEN DER STERNE START: 18.01.2018

„Once upon a time, there was an enchanted cemetry in Berlin, where the Grimm Brothers, stillborn babies and gay people are resting in peace.“

Vogelgezwitscher, sich im Wind wiegende Baumkronen und eine Stimme, die das Märchen der Gebrüder  Grimm „Der Gevatter Tod“ erzählt. Wir befinden uns auf dem Alten Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, im sogenannten „Bermuda-Dreieck“. Eingeweihte werden sofort wissen, was damit gemeint ist.

Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser haben einen beeindruckenden Dokumentarfilm über diesen ehrwürdigen Friedhof gedreht, der Titel GARTEN DER STERNE.

Der „Garten der Sterne“ ist der Teil, in dem die liebevoll angelegten Gräber der totgeborenen Babies zu finden ist

Ichgola Androgyn/ Bernd Bossmann, dessen zweites Zuhause dieser Friedhof inzwischen ist, erzählt mit ganz viel Empathie über sein Café finovo, welches er mit eisernem Willen gegen so manche Widerstände eröffnet hat. Das kleine Gebäude, ehemals das Latrinenhaus, ein gemütlicher Treffpunkt für Gross und Klein, ist das erste Café auf einem deutschen Friedhof überhaupt. Im Sommer kann man draußen sitzen, dem Vogelgezwitscher lauschen und schmackhaften selbst gebackenen Kuchen essen.

Angefangen hat alles 1984, als Bossdorf nach Berlin kam, sich einer bunten Tuntengruppe anschloss und sich als vielseitiger Künstler unter dem Namen Ichgola Androgyn eine riesen Fangemeinde aufbaute. Und nicht nur das, mit grossem Herzblut widmete er sich sozialen Projekten, die er mit Hilfe  von Gleichgesinnten betreute. Nun ist sein Engagement auf dem Friedhof bewundernswert. Die Grabstelle für sich und seine Freunde hat er schon ausgesucht. Er spricht viel über den Tod . Wie er ihn sich vorstellt und wie unbefangen Kinder mit dem Begriff umgehen. Er organisiert Umzüge, auf denen die Kinder mit selbstgebastelten Laternen zu den Gräbern ihrer verstorbenen Geschwisterkinder ziehen, hüpfend , springen und lachend ,wenn ihnen danach zu Mute ist. Er hasst es, wenn auf dem Friedhof nur geflüstert wird. Während die Kamera die schönsten Bilder einfängt, hört man immer wieder die Stimme von Zazie de Paris, wie sie das Märchen vom Gevatter Tod intoniert. Mein Lieblingssatz von Ichgola lautet: „Der Tod ist das Silvester unseres Lebens“. Niemals hätte ich gedacht, dass ich nach einem Film über einen Friedhof und den Geprächen über den Tod mit einem beschwingten Glücksgefühl nach Hause gehen würde. Es war aber so.

Geschickt montiert sind Filmauschnitte von Szenen, in denen Ichgola samt Künstlerfreunden wie Thema die Göttliche, Ovo Maltine, Bev Stroganoff und einige mehr  aufgetreten sind.

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