DAS LEUCHTEN DER ERINNERUNG START: 04.01.2018

Er, der Herr mit den schlohweissen Haaren (Donald Sutherland) und seine humorvolle Frau (Helen Mirren)  wollen nicht warten, bis andere über sie bestimmen. Kurzerhand setzen sie sich in ihr altes Wohnmobil aus den Siebzigern, genannt „The Leisure Seeker“, verlassen ihr Zuhause in Wellesley, Massachusetts und fahren geradewegs die Ostküste entlang, ihr Ziel: Das Hemingway – Haus in Key West. Als ihre erwachsenen Kinder feststellen, dass die beiden sang-und klanglos verschwunden sind, ist ihre Aufregung gross.

John, der pensionierte Literaturprofessor leidet an Demenz und bei seiner Frau Ella wächst ein Tumor im Kopf. Nocheinmal das Gefühl von Freiheit erleben, bevor Johns Erinnerungsvermögen mehr  und mehr verblasst. Zwei alte Menschen, durchgebrannt wie zwei junge Teenager, in ihrem Fall, die Flucht vor dem bevorstehenden Aufenthalt im Pflegeheim.

Warum Key West? Hemingway ist der Autor, den Professor John Spencer am liebsten zitiert.

Zufällig gerieten sie während der Dreharbeiten in eine Trump-Kundgebung. Der italienische Regisseur Paolo Virzi zögerte nicht und schickte John, der zeit seines Lebens demokratisch wählte, mitten hinein in die Jubelchöre „Make America Great Again“. John freut sich mit der frohgestimmten Meute, grölt deren Parolen mit und realisiert nicht, zwischen welchen „Hirnis“ er sich eigentlich befindet.

Skurrile Momente wechseln zu traurigen und traurige wieder zu innigen und komischen. Abend für Abend stellt Ella einen Diaprojektor auf , spannt ein Laken und beide schauen sich ihr vergangenes Leben, manchmal auch mit Zuschauern, mal wehmütig und dann auch wieder fröhlich gestimmt an.

John hat grosse Gedächtnislücken und weiss oft nicht wen oder was er vor sich sieht. Es berührt, wenn er seine eigen Kinder nicht mehr erkennt. Mit grossem Einfühlungsvermögen, ohne melodramatische Attitüden, mit grossem Respekt und Mitgefühl für seine Figuren, lässt PaoloVirzi seine beiden Vollblutschauspieler agieren, so dass man das Gefühl hat, die beiden improvisieren mehr, als das sie gelernte Texte sprechen. Nicht einmal wird das Wort „Alzheimer“ ausgesprochen.

Obwohl das Paar sich ewig kennt, führt ihre Reise dazu, noch Dinge zu erkennen, die sie so noch nicht voneinander wussten.

Paolo Virzi (DIE SÜSSE GIER, LA PRIMA COSA BELLA) brachte die Hälfte seines italienische Teams mit nach Amerika und macht einen Film, so wie er die Dinge sieht und fühlt. „Ich hatte den Ozean nicht deshalb überquert, damit aus mir ein „amerikanischer Regisseur wird“.

Zu sehen ist ein stimmungsvolles Roadmovie, eine Mischung zwischen Schmerz und Lebensfreude, über Liebe, Abschiednehmen und das langsame Verblassen der Vergangenheit. Frei  nach einem Roman von Michael Zadoorian. „Das Leuchten der Erinnerung“, Originaltitel „The Leisure Seeker“ feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der internationalen Filmfestspiele von Venedig.

 

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