A GHOST STORY START: 7.12. 2017

„Ghost Story“ ist kein Horrorfilm, so der Titel vermuten lässt. Es ist ein zutiefst berührender Film über Liebe, Trauer, Vergänglichkeit und das Leben. Ein sich liebendes Paar (Rooney Mara und Casey Affleck) wird durch einen Autounfall jäh getrennt. Zurück bleibt eine trauernde Frau, die im Leichenschauhaus bei ihrem Mann verweilt. In einer endlos erscheinenden Einstellung wird man Zeuge eines schmerzvollen Abschieds. Nachdem sie den kalten, fahlen Raum verlassen hat, bleibt das Bild noch stehen und gibt dem Zuschauer die Gelegenheit, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Es passiert etwas Unerwartetes: Unter seinem weissen Leichentuch steht der Tote langsam auf und kehrt zurück zu seiner Frau. Der Hauptschauplatz ist das Haus, in dem die beiden glücklich gelebt haben und in dem sich jetzt alles nach und nach verändert. Ein Haus voller schmerzlicher Trauer. Ein Geist, gehüllt in ein weisses Tuch mit kohlschwarzen Augenlöchern, gefangen in einer mysteriösen Zwischenwelt, muss  tatenlos mitansehen, wie die junge Witwe ohne ihn mit dem Leben fertig wird. Ein stummer, für sie unsichtbarer Zeuge ihres leidvollen Schmerzes. Verhaftet in der Illusion, seiner Frau in ihrer Trauer beizustehen,  langsam begreifend, dass er als Geist, losgelöst von jeglicher Zeit existiert. Ein passiver Beobachter, der dazu gezwungen ist, zu erfahren wie das Leben, so wie er es kannte, sich auflöst und die Frau, die er liebte in eine Zukunft ohne ihn entschwindet.

Die immer wiederkehrenden, minutenlangen Einstellungen bringen dem Zuschauer die schmerzhaften Gefühle von Trauer und Verlust spürbar nah. Der Film lebt von einer derart melancholischen Bildsprache, die man so noch nicht gesehen hat. Besonders herzergreifend eine Szene, in der Mara einen ganzen Kuchen ißt, wie sie das macht, rührt zu Tränen. In den langen Passagen, die einem Stummfilm ähneln, gibt es kurze Momente, die durchaus komisch sind.

Erstaunlich, wie Casey seine Trauer spürbar macht, obwohl er unter seinem Tuch absolut nicht sichtbar ist. Jegliches Zeitgefühl ist aufgehoben. Es vergehen Tage, Wochen, Jahre. Alles um ihn herum verändert sich und er womöglich  in der Zwischenwelt stecken bleibt, in abgrundtiefer Verlorenheit.

David Lowery hat einen sehr künstlerischen und auch sehr speziellen Film gedreht. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine derart liebevolle Geschichte, die tief berührt und man unweigerlich daran erinnert wird, über die Vergänglichkeit des Lebens nachzudenken.

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