AUS DEM NICHTS START: 23.11.2017

Es ist ein ganz normaler Tag für Katja Sekerci (Diane Kruger). Liebevoll verabschiedet sie sich von ihrem türkischstämmigen Ehemann und ihrem kleinen Sohn. Kurze Zeit später, ein Riesenknall, Nägel  fliegen durch die Luft, die Körper des Mannes (Numan Acar), der in Hamburg ein kleines Geschäft betreibt und des Kindes, werden duch die Bombe bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt.

„Aus dem Nichts“ bricht ihre heile Welt zusammen.

Fatih Akins verarbeitet mit seinem neuen Film seine heillose Wut auf die Morde der rechtsradikalen NSU  und widmet sich in erster Linie deren Opfer und dem, was es mit ihnen macht. Er erzählt die persönliche Geschichte einer Frau, die an den Folgen ihres Schmerzes zusammenzubrechen droht. Der  Schock sitzt tief, Trauer und Verlust hinterlassen eine Wunde, deren Schmerz unerträglich ist.

Akin teilt seinen Film in drei Blöcke auf. Der erste Teil zeigt Katja, die in ihrem Schmerz total alleingelassen ist und sich den ungeheuerlichen Verdächtigungen seitens der Behörden gegen die Opfer ausgesetzt sieht. Der zweite Teil findet im Gerichtssaal statt. Katja sitzt dem Mörderpaar aus dem rechtsradikalen Milieu gegenüber, beseelt von dem einzigen Gedanken an Gerechtigkeit und Vergeltung. Als eine Gutachterin nüchtern die Verletzungen ihres Sohnes schildert, stockt auch dem härtestesten Zuschauer der Atem. Das Neonazi-Pärchen wird wegen mangelnder Beweislage frei gesprochen, basierend auf der Falschaussage eines griechischen Neo-Nazis. Feixend verlassen die beiden den Gerichtssaal.

Im dritten Akt macht sich Katja, die wegen ihres qualvollen Schmerzes wieder Drogen nimmt,  sich auf den Weg nach Griechenland, (die Täter sind dort untergetaucht), um auf eigene Faust für Gerechtigkeit zu sorgen. Akin beschreibt das Drama einer Frau, die alles verloren hat was ihr lieb und wichtig war, ihren Frieden und leider auch ihren Lebensmut, die in ihrer Ohnmacht für eine umstrittene Gerechtigkeit eintritt, die ihr die Justiz verwehrt hat. Als Zuschauer hat man das Gefühl, dass Kruger auf die beklemmenden Situationen fast ausschliesslich emotional reagiert, als das sie eine Rolle spielt. Das macht sie wirklich grossartig. Sie verleiht ihrer Rolle damit eine unnachahmliche Authentizität.

Ob sich Akin mit dem Ende dieses Dramas einen Gefallen getan hat ist äußerst umstritten und sorgt für Diskussionsstoff. Aus der Sicht von Katja mag es konsequent sein. Auch sein Drehbuch weist einige Schwächen auf, die vielleicht damit zu erklären sind, dass sein Hauptaugenmerk auf der emotionalen Achterbahnfahrt seiner Hauptdarstellerin lag. Für die Gerichtsszenen ist die Handschrift von Hark Bohm veranwortlich, dessen präzise, schnörkellose Beschreibung durchaus stimmig ist.

Was den wahren NSU Prozess anbelangt, ist unter anderem, die bodenlose Ungeheuerlichkeit, dass bestimmte Akten für 120 Jahre gesperrt wurden.

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