THE SQUARE START: 19.10.2017

Der Schwede Ruben Östlund hat schon mit seinem Film „Höhere Gewalt“ gezeigt, daß er es versteht, seine Protagonisten psychologisch zu durchleuchten. War es vor gut einem Jahr noch ein Familienvater, der sich in einem entscheidenden Moment als regelrechter Feigling und Egoist entpuppte, ist es in dem Cannes-Gewinner „The Square“ ein Kurator eines der grössten Museen Stockholms. Ein smarter Typ, der auf der sogenannten Sonnenseite des Lebens steht. In der bitterbösen und gleichzeitig amüsanten Satire , bleibt einem mehr als einmal das Lachen im Halse stecken. Es beginnt mit einer Szene, in der Christian (Claes Bang) auf der Strasse in einen bedrohlich erscheinenden Tumult gerät. Eine Frau schreit um Hilfe. Beherzt geht er dazwischen und bemerkt erst später, daß ihm sein Portemonnaie und sein Handy bei dem Gerangel gestohlen wurden. Um sein Handy zurückzubekommen, setzt er die Idee eines Freundes um, indem sie einen Packen Handzettel drucken und diese in sämtliche Briefkästen in einem Haus, gelegen in einem sozialen Brennpunkt, werfen. Die Ortung seines Handys macht es möglich. Sein Hintergedanke bei der brenzligen Tat: Die vermeintliche Bloßstellung des Täters. Diese Arroganz wird ihm später noch zum Verhängnis werden. Eine durchgängige Geschichte wird nicht erzählt. Man verfolgt Szene für Szene, in denen Östlund eine Gesellschaft mit all ihren Schwächen, Eitelkeiten, ihrer Konkurrenz, ihrer Scheinheiligkeit und ihrem teilweise absurden Kunstverständnis bloßstellt. Das Museum…. eine Karikatur. Im Mittelpunkt Christian mit einer neuen Idee: Einen symbolischen Ort zu etablieren, in Form eines simplen Quadrats ( The Square), ein Refugium für Fürsorge und Vertrauen, in dem sich alle untereinander helfen. Ein sündhaft teures Kunstprojekt. Also lädt man reiche Sponsoren zu einem Festbankett ein. Um den honorigen Gästen etwas zu bieten, findet eine aussergewöhnliche Gorilla- Performance statt, bei der allerdings sämtliche Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden. Anfänglich noch mit Gelächter bedacht, bis sie zusehends ausser Kontrolle gerät……

Um das Kunstprojekt geschickt zu bewerben und eine starke emotionale Reaktion zu provozieren, werden entsprechende Leute engagiert. Auf einem YouTube-Clip wird ein bettelndes, blondes, obdachloses kleines Mädchen gezeigt, dem etwas Übles zustösst. Christian, der mit wichtigerem beschäftigt ist, schaut nicht so genau hin und gibt sein Okay. Es kommt zu einem Eklat……..

Ein Junge taucht auf. Wütend lauert er im Treppenhaus auf Christian. Er verlangt von ihm, sich bei seinen Eltern für den Drohzettel im Briefkasten zu entschuldigen, und weil das Kind keine Ruhe gibt, stösst er es die Treppe hinunter. Von schlechtem Gewissen geplagt, bemüht er sich um eine Entschuldigung. Der Skandal um das Video treibt ihn in die Enge. Bei einer Pressekonferenz versucht er sich herauszureden. Ein Pulk von Journalisten traktiert ihn mit Fragen zu seiner sozialen Einstellung. Irgendwie wollte er immer nur etwas Gutes aber ohne es zu wollen, schaffte er etwas Böses. Christian, ein Versager, wenn es um wirkliche soziale Verantwortung geht. Östlund nimmt den Zuschauer dahin mit, wo es wirklich ans „Eingemachte“geht und das tut weh. Dafür wurde „The Square“ in diesem Jahr zu recht mit der Goldenen Palme“ ausgezeichnet.

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