EIN CHANSON FÜR DICH START: 06.07.2017

Ja, sie war mal eine Diva. Was wird eigentlich aus den Kandidaten die beim Eurovision Song Contest auftreten und von denen man nichts mehr hört? Liliane (Isabelle Huppert) ist so ein verblasster Stern. Vor etwa 30 Jahren hätte sie beinah den Grand Prix gewonnen, doch ABBA siegte damals haushoch. Nach einem Schicksalsschlag geht sie nun Tag für Tag in einer Pastetenfabrik ihrer Arbeit nach. Ihre Aufgabe besteht darin, am Fliessband, die Pastetenküchlein mit Lorbeerblättern und Wacholderbeeren zu verzieren. Nach dem Ende ihrer Schicht, streift sie ihr Plastikhäubchen ab, zieht sich um und fährt nach Hause. Ihren Feierabend verbringt sie vor dem Fernsehgerät in ihrer braun-beigefarben gestalteteten Wohnung. Leere Flaschen zeugen von reichlich Alkohol, den sie Abend für Abend in sich hineinschüttet. Ihr eintöniges Leben ändert sich, als ein junger Kollege (Kévin Azais) beim näheren Hinsehen bemerkt, mit wem er da eigentlich in der Fabrikhalle zusammenarbeitet. Sein Vater, der noch heute von der ehemals gefeierten Sängerin Laura, so nannte sie sich damals, schwärmt, ist ganz aufgeregt, als sein Sohn ihm mitteilt, sie überzeugt zu haben, auf einer Feier in seinem Boxclub aufzutreten. Leicht war es nicht, denn Liliane leugnete ihre Vergangenheit und willigte nach langem Zögern ein. Längst hat sie sich mit ihrem unglamourösen Dasein abgefunden. Erstmals huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, als sie eine ihrer Bühnenroben aus der hintersten Schrankecke hervoholt und anprobiert. Aus der unscheinbaren Fabrikarbeiterin wird wieder ein „Star“ dem man zujubelt. Wer könnte diese Rolle besser spielen als Isabelle Huppert. Es ist dieser ganz besondere melancholische Gesichtsausdruck, gepaart mit einer unnachahmlichen Verletzlichkeit, der sie wie geschaffen für diese Rolle macht. Als Jean ihr schwärmerisch seine Liebe gesteht und unbedingt ihr Manager werden will, blüht Liliane regelrecht auf und lässt sich darauf ein. Viel zu selten hat die Huppert die Gelegenheit auch ihre komische Seite zu zeigen. Der belgische Regisseur Bravo Defurne hat dieses berührende Melodram in die fast nostalgisch anmutende Zeit des Grand Prix verlegt. Damals ging es wirklich nur um den Song und nicht so wie heute, um eine ausgeklügelte Bühnenshow. Er gibt seine Protagonistin nicht einen Augenblick der Lächerlichkeit preis. Auch dann nicht, wenn sie mit dünnem Stimmchen, (Isabelle singt selbst) es noch einmal mit dem Lied „ Ein Kind des Winters, wurde ein Kind der Sonne“ probiert. Isabelle, du bist wie immer grossartig.

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