DIE VERFÜHRTEN START: 29.06.2017

Mit DIE VERFÜHRTEN wagt Sofia Coppola ein Remake des Clint Eastwood Dramas BETROGEN aus dem Jahr 1971. Regie Don Siegel. Statt Eastwood ist es nun Colin Farrell, der den verwundeten Nordstaaten Soldaten John Mc Burney spielt. Mitten im Amerikanischen Bürgerkrieg im feindlichen Mississippi, stösst ein kleines Mädchen beim Pilzesuchen auf einen verletzten Soldaten und hilft ihm mit aller Kraft in ihr schützendes Zuhause. Das ist ein Mädchenpensionat, geführt von der streng-religiösen Leiterin Martha Farnsworth (Nicole Kidman). Die nimmt ihn erstmal auf, mit der Anordnung, dass er im Musikzimmer zur Ruhe kommen kann, die Tür aber verschlossen bleibt. Weitere Bewohner, die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) und fünf junge Mädchen zwischen acht und achtzehn Jahren, die zur Sittlichkeit und Anstand erzogen werden. Da der Alltag der heranreifenden Schülerinnen überwiegend aus Schule und Gebeten besteht, ist die Ankunft des geheimnisvollen „Gastes“ eine willkommene Abwechslung.  Ängstlich treiben sie sich vor der verschlossenen Tür herum, dann wächst ihre Neugier und dann spüren sie unausgelebte sexuelle Begierden. Die achtzehnjährige Alicia (ELLE Fanning) nähert sich Mc Burney mit aufreizender Koketterie. Auch Edwina und Leiterin Martha sind nicht frei von erotischen Fantasien. Jede von ihnen buhlt auf ihre ganz eigene Weise um das „Objekt ihrer Begierde“. Wohlweislich darauf bedacht, es ihre Konkurrentinnen nicht merken zu lassen. Das das zu dramatischen Folgen führt, nicht nur für die Frauen, sondern ganz erheblich für den Verwundeten, macht die Geschichte, die hier aus feministischer Sicht erzählt wird, spannend und beinhalted eine unterschwellige Komik, die sich besonders im unterschiedlichen Verhalten der Frauen versteckt. Coppola taucht das Melodram in wunderschöne Bilder, die einen Gegensatz zu den erotischen Verwirrungen und bösartigen Machtspielen der weiblichen Protagonisten bilden. Das macht den Unterschied zu Siegels „Betrogen“ aus, in der Eastwood ein machohaftes Spiel betreibt. Ich persönlich hadere etwas mit der Besetzung Farrells, der als ziemliches Weichei herüber kommt. Aber, das ist reine Geschmackssache. Auch das Ende lässt zwei unterschiedliche Interpretationen zu. War es eine medizinische Notwendigkeit oder ein böser Racheakt. Ich behaupte Letzteres. Sofia Coppola hat in Cannes den Regiepreis bekommen. Damit ist sie die zweite Frau in der siebzigjährigen Festivalära.

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