DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG START: 30.3. 2017

Wer jetzt sagt,ach nee, nicht schon wieder das Thema Flüchtlinge, der hat den neuen Aki Kaurismäki Film „ Die andere Seite der Hoffnung“ noch nicht gesehen. Auf der diesjährigen Berlinale heimste er den Silbernen Bären für die beste Regie ein, die Kritiker waren voll des Lobes und das Publikum war begeistert. 2011 kam sein berührender Film „Le Havre“ in die Kinos. Erzählt wurde die Geschichte eines Schuhputzers, der sich um einen afrikanischen Jungen kümmerte und ihn bei sich aufnahm. In seinem neuen Werkgeht es um Khaled (Sherwan Haji), einen syrischen Flüchtling,derin Finnland gestrandet ist, weil er gehört hat, dass in diesem Land alle Leute so nett seien. Das stimmt leider so nicht.Man sieht, wie er ein rostiges Frachtschiff verlässt und sich erst einmal sein russgeschwärztes Gesicht wäscht, bevor er sich auf der Polizeistation meldet,um Asyl zu beantragen. Und noch jemand verlässt sein gewohntes Leben. Der Hemdenvertreter Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen), der seiner Frau Schlüssel und Ehering auf den Küchentisch legt und wortlos verschwindet. Wer Akis Filme kennt, weiss, dass in ihnen wenig Worte fallen, die Einstellungen lang sind und von einer ganz besonderen Musik begleitet werden. Sein lakonischer Humor, wortkarge Aussenseiter und düstere Bilder sind die typischen Merkmale des fast sechzigjährigen Filmemachers.

Khaleds Asylantrag wird abgelehnt. Er beschliesst unterzutauchen und verbringt die Nacht in einem Versteck auf Waldemars Hinterhof, der sich entschlossen hat eine Kneipe zu übernehmen. Viel Geld, kann er mit dem Laden nicht verdienen und trotzdem zögert er nicht lange und entschliesst sich,Khaled als Putzmann und Tellerwäscher einzustellen und für einen Schlafplatz zu sorgen. Seine unausgesprochene Botschaft, wenn man es alleine nicht schaffen kann, dann müssen wenigstens andere einem helfen. Die Kneipe, ein skurriler, heruntergekommener Schuppen, wird zum Schauplatz tragischer und humorvoller Begebenheiten. Mit viel Fantasie versucht Wikström Gäste in seinen Laden zu locken. Seinem Ideeenreichtum sind keine Grenzen gesetzt.Natürlich erscheint das Ordnungsamt und Khaled muss sich schleunigst,samt Kneipenhund,verstecken. Da sich auch die Rechten in Finnland immer breiter machen, bleibt ihm ein rabiater Zusammenstoss mit der braunen Brut nicht erspart.

In all seinen Filmen kümmert sich Kaurismäki auf seine besonders melancholische Art um die Verlierer und Aussenseiter der Gesellschaft, aber auch immer mit seinem ganz speziellem Humor. Auch an den Behörden lässt er wahrlich kein gutes Haar. Khaleds Odyssee durch verschiedene Länder, bei der ihm Gewalt und Gefängnisaufenthalte nicht erspart blieben,endete mit einem strikten Nein….kein Asyl. Traurig-skurril die Küchenszene in der Wikströms Frau am Tisch hockt, Lockenwicklerim Haar, einen grossen Kaktus vor sich,der Aschenbecher randvoll,stoisch den wortlosen Abgang ihres Mannes verfolgt. Viel Herz, Humor und ganz besondere Musik sind die sehenswerten Zutaten, mit denen Karismäki seine besonderen Filme würzt. Bitte, bitte weiter so.

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