PAWLENSKI-DER MENSCH UND DIE MACHT ( Dokumentarfilm) START: 16.03.2017

Der Russe Pjotr Pawlenski ist ein politischer Aktionskünstler. 2012 erregte er internationales Aufsehen,als er sich aus Protest gegen den „ Pussy Riot“ Prozess die Lippen zunähte,am Feiertag der Polizei seinen Hodensack auf dem Roten Platz fest nagelte,sowie eine Tür im Gebäude des russischen Geheimdienstes in Brand setzte,eine beinahe selbstmörderische Aktion, die ihm eine sofortige Verhaftung ins berüchtigte Butyrka-Gefängnis einbrachte. Die Anklage: Vandalismus.

Für die Regisseurin Irene Langemann, die sich schon 2007 mit ihrem Film  RUBLIJOVKA für die Freiheit des einzelnen Menschen gegenüber der Macht des Staates Russland auseinander gesetzt hat, eine schwierige Situation. Wie kann man einen Hauptprotagonisten sichtbar machen, wenn man den Gefangenen gerade mal 3Minuten im Gerichtssaal filmen und sprechen darf.

Langemann:“Über die russische Organisation für politische Häftlinge „Rosusnik“ gelang es mir einen Briefwechsel mit Pawlenski aufzubauen und so Einblicke in seinen Gefängnisalltag zu bekommen. Es stellte sich allerdings die Frage,wie kann man die Briefe visualisieren? Weitere Textdokumente waren Protokolle der Verhöre zwischen ihm und dem Untersuchungsrichter Pawel Jasman im Petersburger Prozess zur Aktion  „Freiheit“,die Pawlenski heimlich aufgezeichnet hatte. Und wir durften bei den Gerichtssitzungen zwar mit der Kamera nicht dabei sein,aber den Ton aufzeichnen.Ich entschied mich, die Textebene in der Stilistik von Schattentheater mit russischen Schauspielern umzusetzen. Da eine starke physische Ähnlichkeit der Darsteller mit den realen Personen Voraussetzung war, haben wir ein aufwendiges Casting in Moskau durchgeführt. Sieben Monate verbrachte Pawlenski in Untersuchungshaft. Die Machthabenden versuchten ihn vor den Medien zu verstecken, indem sie die Gerichtsverhandlungen in Nacht-und Nebelaktionen vorverlegten oder absagten. Doch sie konnten dieses Spiel nicht ewig fortführen.

Anfang Juni 2016 kam Pjotr Pawlenski überraschenderweise im Gerichtssaal frei. Die Filmaufnahmen fanden in einem Zeitraum von etwa einem Jahr statt.

Das Schwierigste waren die Dreharbeiten bei den Gerichtssitzungen,mit vielen Verboten und dem brutalen Vorgehen der Wachleute. Viermal wurden das Team und ich von der Polizei festgenommen. Einmal auf dem Roten Platz,mit der Folge,dass das aufgenommene  Material von der Chipkarte gelöscht wurde.

Und trotzdem finde ich die Anstrengungen gerechtfertigt. Pawlenskis Mut,seine künstlerische Ausdrucksstärke,seine Lebensphilosophie faszinieren mich“.

Unterstützt wurde sie von Pawlenskis Lebensgefährtin und den russischen Künstlern Olek Kulik und Lena Hades,die mit ihrer Arbeit an einer Pawlenski-Skulptur Und Portraitzeichnungen ihn quasi vor der Kamera sichtbar machten.

Der Machtapparat besteht darauf,dass ich entweder ein Verrückter oder ein Verbrecher bin. Ich kämpfe dafür,dass ich ein Künstler bin“.Pjotr Pawlenski.

Pawlenski lebt inzwischen in Paris,wo er Asyl beantragt hat.

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