ALLES WAS KOMMT START: 18.08.2016

Ich habe mir soeben den Film mit der wunderbaren Isabelle Huppert „ Alles was kommt“ angeschaut. Das Bundesplatz- Kino war bis auf den letzten Platz ausverkauft, heute am Sonntag um 16:00. Wenig Männer, dafür fast nur ältere Frauen, die ich überwiegend dem Bildungsbürgertum zuordne. Die Philosophiedozentin Nathalie steht nach 25 Jahren vor den Trümmern ihrer Ehe. Ihr Mann hat eine Neue. Mit ihm hat sie ihre Leidenschaft für die Philosophie geteilt und zwei Kinder großgezogen. Von Verzweiflung keine Spur. Sie ist ständig unterwegs, kümmert sich um ihre Studenten, rennt zu ihrer wehleidigen Mutter, die mit ständigen Anrufen um Hilfe bittet. Verständnislos nimmt sie den Streik der jungen Leute wahr. Die lehnen sich gegen die von Sarkozy verordnete Anhebung des Rentenalters auf. Sie zitiert stattdessen lieber die Lehren von Rousseau. Ihr Credo lautet: Meine Aufgabe ist es, junge Menschen zum Denken zu erziehen. Es ist eine intellektuelle Welt, in der sie sich bewegt. Egal wo sie ist, sie hat immer ein Buch dabei, in das sie sich vertieft. Am liebsten diskutiert sie mit ihrem Lieblingsschüler Fabien. Auch wenn er gerne mal an einem Joint zieht, schreibt er gewissenhaft Texte für ihre Aufsatzsammlung, die ein Verlag für sie veröffentlicht. Die selbstbewusste Nathalie ist entsetzt, als es heisst, die Cover ihrer Bücher mit knallbunten Bildern zu bestücken, um die Auflage zu erhöhen. Ein typischer Wortwechsel zwischen jung und alt. Als ihre Mutter in ein Pflegeheim kommt und dort verstirbt, der Mann das Haus verlassen hat ( „ich dachte du liebst mich ewig, ich blöde Kuh“) die Kinder ihre eigenen Wege gehen, genießt sie offensichtlich ihre Freiheit. „ Ich hab das Gefühl, mit 45 kann man uns auf den Müll werfen“. Es schmerzt, als sie für einige Tage in dem  Ferienhaus in der Bretagne verbringt. Nicht nur das sie ihre Kinder dort aufwachsen sah, sie hat aus dem verwiderten Garten ein Paradies geschaffen. Sie erklärt ihrem Mann, dass sie sein Haus nicht mehr betreten wird und reist kurzerhand wieder ab. Es gibt immer wieder kurze Momente, in denen die so starke Frau bitterlich weint. Die Einsamkeit lässt sich eben doch nicht verdrängen. Sie packt ihre Sachen, und besucht samt Kater, den ihre Mutter zurückgelassen hat, ihren Schüler Fabien, der sich mit seiner Freundin auf`s Land zurückgezogen hat und ein anarchistisch angehauchtes Leben führt, sich der Herstellung von Käse widmet, politische Artikel schreibt. Doch der Radikalität, mit der die jungen Leute ihre Freiheit verteidigen, fühlt sie sich nicht mehr gewachsen. Sie weiß, dass sie ihre Krise bewältigen muss und geht den Weg der Akzeptanz. Mia Hansen Love hat ihren Film total auf Isabelle Huppert zu-geschnitten. Mit grossem Einfühlungsvermögen setzt sie alles auf ihre Protagonistin, die mit ihrer Selbstironie und ihrem Glauben an sich selbst an dem Drama ihrer gescheiterten Ehe nicht verzweifelt und sich nicht verändert. Das ist mitreißend und bestens beobachtet. Wie sagt Nathalie sehr klug:“ Man ist nur glücklich, bevor man glücklich ist“.

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