MEIN EIN, MEIN ALLES ( MON ROI) START: 24.03.2016

Eine Frau. Eine steile, schroffe Piste in den verschneiten Alpen. Tony ( Emmanuelle Bercot) zögert kurz. Dann rast sie den Abhang hinunter, stürzt. Erst im Krankenhaus wacht sie wieder auf. Diagnose: Komplizierte Kniefraktur. Die Worte ihrer Therapeutin: „ Sie haben sich das Knie verletzt. Schmerzen im Knie stehen für ein unbewältigtes Erlebnis im Leben.“ Man könnte es als reine Küchenpsychologie bewerten oder sich ernsthaft mit der Theorie auseinandersetzen. Zeit genug hat Tony wahrlich, denn der Aufenthalt in der Reha wird lang. Eigentlich ist sie eine Frau, die ihr Leben fest im Griff hat, die mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Ja bis…..bis sie dem schillernden Egozentriker Georgio ( Vincent Cassel) begegnet . Georgio/ Cassel, ein Charmebolzen durch und durch. Welche Frau würde ihm nicht verfallen? Er ist leidenschaftlich, verströmt diesen ganz besonderen mitreissenden, frechen Humor, Besitzer eines lässig geführten Edelrestaurants. Tony folgt diesem Strahlemann mit all ihren Sinnen blind vor Liebe. Eine fatale Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. In einer Art Dokumentation nutzt Tony die Genesungszeit, die zerstörerische Beziehung zu diesem Mann aufzuarbeiten und den mühseligen und schmerzhaften Weg , zurück in ein normales Leben zu finden. Wie ein böser Film ziehen die zehn Jahre dieser Beziehung an ihr vorbei. Ein Sohn wird geboren, Georgios Freude ist riesengross, es scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch nur für kurze Zeit. Georgio nimmt sein Junggesellenleben wieder auf. Er lügt und betrügt, bereut, versinkt in tiefes Selbstmitleid. Tony versucht stark zu sein, sie will ihre Ehe retten, für ihre kleine Familie kämpfen. „ Tony hatte Georgio zu ihrem König erhöht, zu ihrem Ein und Alles“. Schmerzhaft und quälend ihre Erinnerungen, die Demütigungen, die sie ertragen musste, die immer wiederkehrenden Treueschwüre, vorgetragenen Entschuldigungen,sie stürzen sie in eine emotionelle Achterbahn der Gefühle, die gleichzusetzen sind mit einer fast unerträglichen Entziehungskur. Die Clique von den jugendlichen Reha-Patienten, mit denen sie Freundschaft schliesst und die nicht im geringsten ahnen, was in dieser Frau vor sich geht, die, obwohl auch körperlich verwundet, eine Lebensart ausstrahlen, die sie vorher kaum kannte und die ihr hilft das Leben neu zu erfinden und mit der körperlichen Heilung die Krücken des physischen sowie des psychischen Leidens abzulegen. Auf den ersten Blick ist man erschrocken über das Frauenbild, was einem vorgeführt wird aber bei näherem Hinsehen versteht man den Kampf dieser scheinbar unemanzipierten Frau. Man nennt es den „ Cinderella-Komplex“ der Frauen eine Überzeugung verleiht, einen Partner mit ihrer Liebe zu einem besseren Menschen zu machen. Auch wenn das in diesem Film etwas unglaubwürdig wirkt, entschädigt das mimisch starke Spiel der beiden Protagonisten in dieser Amour Fou , die kleinen,holprigen Schwächen.

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