SON OF SAUL START:10.03.2016

SON OF SAUL Start: 10.03 2016

Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau. Eine Vielzahl nackter Menschen. Männer, Frauen, Kinder. „ Rein, immer rein in die gute Stube. Ihr wollt doch alle duschen“.
Täglich müssen Saul und die anderen die Leichen aus den Gaskammern zerren. In seinem ersten langen Spielfilm hat sich der ungarische Regisseur László Nemes in die Hölle von Auschwitz begeben. In seinem Drama verfolgt er, in gelblich – bräunliches Licht getaucht , fast ausschliesslich mit der Handkamera gedreht, seinen Protagonisten Saul ( Géza Röhrig), der dazu verurteilt ist, die Gefangenen beim Entkleiden voranzutreiben, sie in die Gaskammern zu leiten und anschliessend die Öfen zu reinigen. Und wehe, er liefert die eingesammelten Wertgegenstände nicht gewissenhaft ab. Sein Ausdruck regungslos, sein Blick stoisch nach vorn gerichtet. Als er in einem toten Kind seinen unehelichen Sohn zu erkennen glaubt, ist er nur noch von einem Gedanken beseelt: Der Junge muss ein würdiges Begräbnis bekommen.
Er verschleppt ihn aus der Autopsie, versteckt ihn, und macht sich verbotenerweise auf die Suche nach einem Rabbi. Die Kamera verfolgt das eindringliche Spiel des ausgezeichneten Darstellers mit einer beinah unerträglichen Nähe. Die Tötungsmaschinerie im Lager läuft perfekt. Die Kamera stoppt vor der Gaskammer. Die Tonspur läuft weiter. Es ist kaum auszuhalten. Das immer stärker werdende Geschrei der Menschen, dann immer kraftloser, bis hin zu einem kläglichen Winseln, bis es gänzlich verstummt. Anschliessend das monotone Kratzgeräusch von den Gegenständen mit denen Saul die Wände reinigen muss. Unterbrochen von den absichtlich kaum zu verstehenden rüden Befehlslauten der teilweise lachenden braunen Brut. Es wurde berichtet, als der Film in Cannes gezeigt wurde, einige Zuschauer vor dem Ende, den Saal kreidebleich verliessen. Am Beispiel von Saul zeigt dieser erdrückende Film, dass man auch noch in einer unbeschreiblichen Schreckenssituation ein Gefühl von Mitmenschlichkeit zulassen kann. Ausgezeichnet mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Obwohl bis zur Unerträglichkeit ausgereizt und den bewusst eingesetzten Unzulänglichkeiten, ist es ein filmisches Meisterwerk.

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