DER SOMMER MIT MAMA START: 20.08. 2015

Bei diesem amüsant-traurigen Film fiel mir sofort das Lied von Franz Josef Degenhardt ein, erschienen 1965, „ Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder….“.

Wie bitter mag es wohl für eine Mutter sein, das eigene Kind bei einer Tante zurück zu lassen, um den Lebensunterhalt für sich und die Tochter, in einem reichen Haushalt zu verdienen. Unten das arme Brasilien und oben das der Reichen und  Wohlhabenden. Val, Regina Casé,  ist der gute Geist im Hause des reichen Erben und Künstlers Don Carlos und  Dona Bárbara, die ihrer Karriere als Fernsehmoderatorin nachgeht. Ihr Sohn Fabinho hat ein inniges Verhältnis zu Val, die ihn liebevoll aufgezogen hat. Die wahre Mutter des Jungen, steht auf dem Standpunkt, dass es ja wohl ihr gutes Recht sei, wenn sie abends nach Hause kommt, ein fröhliches Kind  zu sehen. Val schuftet rund um die Uhr, schläft im Kellergeschoss der pompösen Villa, kümmert sich neben der Hausarbeit auch noch um den Hund der Familie. Besonders berührend die Szene als Val der Herrin des Hauses ein Geburtstagsgeschenk überreicht.. Ein schwarz, weißes  Kaffeeservice mit einer dazu gehörenden Thermoskanne. Nach Vals Meinung, zu benutzen für besondere Anlässe. Die „ Herrin“ wirft einen kurzen Blick drauf und stellt es sofort hinten in einen Schrank. Es gefiel ihr nicht. Während Val bei der Geburtstagsparty Häppchen anbietet, schauen sie die verwöhnten Gäste nicht mal an. Wie gerne würde auch sie mal bei der Hitze in Sao Paulo in dem herrlichen Pool im Garten schwimmen. Für die Angestellten des Hauses verboten. Die Situation ändert sich schlagartig als Jéssica, die inzwischen siebzehnjährige Tochter von Val auftaucht. Sie will die Aufnahmeprüfung  an der Uni  bestehen und darf während ihrer Vorbereitungszeit bei ihrer Mutter wohnen. Schnell wird eine zweite Matratze auf den Boden gelegt . Carlos ist sofort sehr angetan von dem jungen Mädchen, zeigt ihr das Haus, lädt sie zum Essen ein, man merkt ihm an, wie froh er über die Abwechslung ist, die Jéssica durch ihre frische Anwesenheit verbreitet. Als die das hübsch eingerichtete Gästezimmer sieht, zieht sie schnurstracks dort ein. „ Wir lieben deine Mutter, sie ist unersetzlich für uns“, erklärt ihr Bárbara falsch freundlich.  Für die an Demut gewöhnte Val entsteht eine höchst peinliche Situation. Als Jessica  auch noch das nächste Tabu bricht und sich mit dem Sohn und dessen Freund  im Pool vergnügt,  ist es mit der Geduld von Dona Bárbara vorbei.  Es sei eine Ratte im Wasser gewesen und deswegen muss das Wasser sofort abgelassen werden. Es ist wohl besser, Jessica sucht sich eine andere Unterkunft. Als die  selbstsichere Tochter der Haushälterin sich auch noch das Frühstück von der Dame des Hauses richten lässt, weil ihre Mutter zum ersten Mal verschlafen hat, ist das Maß voll. Sie packt ihre Architekturbücher zusammen und geht. Doch mit der Unterkunft klappt es nicht wie vorgestellt. Jèssica kehrt zur Freude des alten Don zurück. Als sich die heikle Situation immer mehr verschärft und Val immer mehr von der Selbstsicherheit ihrer Tochter annimmt, , macht der Film eine Wendung, die den Zuschauer  aufatmen lässt. Aus der  grummligen, devoten  Hausmagd wird eine stolze und selbstbewusste Person. Köstlich!  In Brasilien ist Regina Casé ein beliebter Star. Nun ist es vorbei, daß die Herrschaft der armen Val schöne Dinge anbietet, wohl wissend, dass sie NEIN sagt. Auf der diesjährigen Berlinale erhielt der Film in der Panorama Sektion  den Publikumspreis. So kann man Sozialkritik auch zeigen. Mit viel Wortwitz, wohl überlegten Dialogen und ein Händchen für liebevolle Details. Irrungen und Wirrungen sorgen für ein entspanntes Vergnügen, ohne die Ernsthaftigkeit, die diese Thematik mit sich bringt außer acht zu lassen.

Regie: Anna Muylaert.

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