EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach. Was für ein niedlicher Titel. Vielleicht ein Film über das beschwerliche Leben einer Großstadttaube. Nein, weit gefehlt. Es handelt sich um den letzten Teil einer Trilogie des schwedischen Regisseurs Roy Andersson. In jahrelanger Arbeit schuf er in seinem Studio 24 ein beeindruckendes Setting  an Räumlichkeit, in denen sich seine skurril benehmenden Protagonisten vor einer starren Kamera bewegen und artikulieren. Dafür erhielt er den goldenen Löwen in Venedig. Gratulation! Er entführt uns in eine grau-beigefarbene Welt von Traurigkeit, Macht und Ohnmacht. Seine Bildsprache erinnert an die Bilder Edward Hoppers. Die Gesichter dieser schlafwandlerischen Existenzen, bleich und pudrig geschminkt, wie mit Mehl bestäubt, erinnern in ihrer lethargischen Haltung an Zombies, denen jegliche Freuden abhanden gekommen ist. Zusammen gehalten werden die einzelnen Szenen von zwei Scherzartikelverkäufern, Sam und Jonathan, zwei glücklose Kreaturen, die Spaß verkaufen wollen und müssen, denn eigentlich sind sie pleite. Im Gepäck Vampirzähne, Lachsäcke und  eine grotesk anmutende Monstermaske. Ein erbärmliches Unterfangen. Sie nehmen uns mit auf eine Reise der unterschiedlichsten Begegnungen in einer beinahe unwirklichen Welt. Es sind Szenen wie aus dem absurden Theater, Episoden, wie sie das Leben nun mal schreibt. Eine nachdenklich stimmende cineastische Geisterbahnfahrt. In diesem gerade begonnenen Jahr, mein bisheriger Lieblingsfilm.

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